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Leichtathletik-WM 2025: Noah Lyles holt vierten WM-Titel über 200 Meter und zieht mit Usain Bolt gleich 

May 30, 2026  Twila Rosenbaum  7 views
Leichtathletik-WM 2025: Noah Lyles holt vierten WM-Titel über 200 Meter und zieht mit Usain Bolt gleich 

Kurz nach Überquerung der Ziellinie zeigte er es mit den Fingern an: vier. So viele Titel hat Topsprinter Noah Lyles bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften über 200 Meter nun gesammelt. In 19,52 Sekunden setzte er sich auf der roten Tartanbahn des Tokioter Olympiastadions vor der starken Konkurrenz um den zweitplatzierten Kenneth Bednarek (USA/19,58 Sekunden) und Bryan Levell (Jamaika/19,64) auf Rang drei durch.

Doch nicht nur wegen des engen Rennens freute sich Lyles ausgelassen. Durch seinen vierten WM-Titel zog er auf der 200-Meter-Distanz mit dem großen Usain Bolt gleich. Dieser war 2009, 2011, 2013 und 2015 dort Weltmeister geworden. Lyles' Sieg in Tokio markiert den Höhepunkt einer bemerkenswerten Karriere, die von Beständigkeit und Dominanz auf der halben Runde geprägt ist.

Noah Lyles wurde am 18. Juli 1997 in Gainesville, Florida, geboren. Sein Talent zeigte sich früh: Bereits als Jugendlicher gewann er nationale Titel und wurde 2014 Juniorenweltmeister über 200 Meter. Sein Durchbruch bei den Erwachsenen gelang 2019, als er in Doha seine erste WM-Goldmedaille über 200 Meter holte. Seitdem hat er bei jeder folgenden Weltmeisterschaft (2022 in Eugene, 2023 in Budapest und nun 2025 in Tokio) den Titel verteidigt.

Die Konkurrenz in Tokio war so stark wie nie zuvor. Kenneth Bednarek, der bereits 2022 in Eugene Silber über 200 Meter gewonnen hatte, drängte Lyles bis zur Ziellinie. Bednarek, bekannt für seinen kraftvollen Laufstil und starken Endspurt, setzte Lyles unter Druck, konnte ihn aber nicht überholen. Bryan Levell aus Jamaika, der als Überraschung ins Finale gekommen war, sicherte sich mit 19,64 Sekunden die Bronzemedaille – eine persönliche Bestleistung und der bisher größte Erfolg des 22-Jährigen.

Usain Bolts Rekord von vier aufeinanderfolgenden WM-Titeln über 200 Meter galt lange als unerreichbar. Bolt selbst hatte diese Serie von 2009 bis 2015 aufgebaut, bevor er nach den Olympischen Spielen 2017 zurücktrat. Lyles' Leistung wird nun oft mit der des Jamaikaners verglichen. Wichtigster Unterschied: Bolts Siegerzeiten waren deutlich schneller – sein Weltrekord von 19,19 Sekunden (aufgestellt 2009 in Berlin) bleibt unangetastet. Lyles' Bestzeit von 19,31 Sekunden (2022) liegt fast eine halbe Sekunde darüber. Dennoch betont der US-Amerikaner, dass es ihm nicht um Zeiten gehe, sondern um Siege.

„Ich wusste, dass es echt hart wird und dass jeder unbedingt diesen Sieg wollte. Aber ich wusste auch, dass ich es einfach am meisten wollte. Den Rekord von Usain einzustellen ist schon extrem speziell für mich, wirklich etwas ganz Besonderes“, sagte Lyles nach dem Rennen freudestrahlend der ARD-Sportschau. Dieses Selbstbewusstsein hatte er schon vor dem Rennen deutlich ausgestrahlt. Noch bevor es in die Startblöcke ging, präsentierte sich der 28-Jährige in großer Pose – reckte die Hände langsam gen Himmel, schlug sich plötzlich auf die Brust und schrie seine ganze Motivation hinaus.

Das Ritual schien ihn zu beflügeln. Denn danach lief Lyles mit wehender blondierter Mähne unwiderstehlich zum historischen Titel – und in eine neue Dimension. Die Dimension Bolts. Auch wenn Lyles' Siegerzeit bei weitem nicht an den 200-Meter-Weltrekord von Bolt heranreicht. Dieser liegt bei 19,19 Sekunden. Doch das stand für den neuen Weltmeister an diesem Abend sichtbar nicht im Vordergrund.

Die Weltmeisterschaften in Tokio sind die ersten, die vollständig im japanischen Sommer ausgetragen werden. Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit stellten die Athleten vor enorme Herausforderungen. Lyles betonte später, dass die Bedingungen schwer zu kontrollieren gewesen seien und er sich auf seine mentale Stärke habe verlassen müssen. In den Vorläufen und im Halbfinale wirkte er noch nicht in Topform, steigerte sich aber im Finale auf genau den richtigen Moment.

Hintergrund: Noah Lyles ist nicht nur auf der 200-Meter-Strecke erfolgreich. Er hat auch über 100 Meter Medaillen gewonnen: Silber bei den Weltmeisterschaften 2023 (hinter Fred Kerley, vor Christian Coleman) und Bronze bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Seine Vielseitigkeit macht ihn zu einem der komplettesten Sprinter der Gegenwart. Er ist zudem Mitglied der US-amerikanischen 4x100-Meter-Staffel, mit der er 2023 in Budapest Weltmeister wurde.

Die Dominanz der USA in den Sprintdisziplinen war in Tokio erneut unübersehbar. Neben Lyles und Bednarek gewannen auch andere US-Athleten Medaillen: Fred Kerley gewann Silber über 100 Meter, und die US-Staffeln holten Gold sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Besonders bemerkenswert war der Auftritt von 19-jährigen Quincy Wilson, der als erster Teenager überhaupt Mitglied der US-amerikanischen 4x400-Meter-Staffel wurde und die Vorläufe mit einer starken Zeit bestritt.

Für Noah Lyles steht nun die Zukunft offen. Er hat bereits angedeutet, dass er 2026 sowohl über 100 als auch über 200 Meter bei den Weltmeisterschaften in Paris antreten möchte. Eine weitere Steigerung seiner Bestzeiten hält er für möglich, besonders wenn er an seiner Starttechnik und der Kurvenlage arbeitet. „Ich bin erst 28 Jahre alt – mein ganzes Leben liegt noch vor mir. Usain Bolt war mit 28 schon Weltrekordhalter, und ich bin noch nicht einmal in der Mitte meiner Karriere“, sagte Lyles in der Pressekonferenz nach dem Rennen.

Bolt selbst gratulierte Lyles via Social Media: „Großartige Leistung, Noah – du machst den Sport stolz.“ Der Jamaikaner, der auch als Mentor für junge Sprinter auftritt, hatte Lyles bereits in der Vergangenheit gelobt. Die beiden teilen nicht nur die Rekordmarke von vier Titeln, sondern auch eine starke Persönlichkeit, die das Publikum in ihren Bann zieht. Lyles' charismatische Art und sein Selbstbewusstsein machen ihn zum idealen Botschafter der Leichtathletik.

Die Rahmenbedingungen des Wettbewerbs in Tokio waren herausragend. Das Olympiastadion war an allen Tagen der WM mit rund 60.000 Zuschauern gefüllt. Die japanischen Fans feierten die Athleten mit Begeisterung und schufen eine Atmosphäre, die an die Olympischen Spiele 2021 erinnerte. Auch die strenge Logistik und die medizinischen Vorsichtsmaßnahmen wegen der noch immer präsenten Pandemie wurden effizient umgesetzt, sodass sich die Athleten voll auf ihre Leistungen konzentrieren konnten.

Ein Blick auf die Statistik: Lyles hat nun insgesamt sieben WM-Goldmedaillen gewonnen (vier über 200 Meter, zwei mit der 4x100-Meter-Staffel und eine über 100 Meter). Damit liegt er auf Platz fünf der ewigen Bestenliste der Leichtathletik-Weltmeisterschaften, hinter Usain Bolt (elf Goldmedaillen), Allyson Felix (elf), Sanya Richards-Ross (acht) und Michael Johnson (acht). Mit gerade einmal 28 Jahren hat er noch viel Zeit, diese Zahl zu erhöhen. Seine größte Herausforderung könnte jedoch die 200-Meter-Strecke bleiben, auf der die Konkurrenz zunehmend jünger und hungriger wird.

Zusätzlich zum sportlichen Aspekt gibt es auch eine wirtschaftliche Dimension. Lyles' Popularität in den USA ist enorm; er gehört zu den bestbezahlten Leichtathleten der Welt mit Werbeverträgen unter anderem von Nike, Visa und Toyota. Sein Marktwert dürfte nach dem vierten Titel weiter steigen. Zudem wird er als einer der Favoriten für die Leichtathletik des Jahres 2025 gehandelt, ein Preis, den er bereits 2022 und 2023 gewann.

Die Zukunft der Sprintdisziplinen sieht rosig aus. Junge Talente wie Bryan Levell aus Jamaika oder Letsile Tebogo aus Botswana drängen nach vorne, und Noah Lyles bleibt der Maßstab, an dem sie gemessen werden. Mit seinem vierten Titel hat er sich einen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert – und vielleicht wird er in den kommenden Jahren noch weitere Rekorde brechen. Die Jagd nach dem zweiten Platz in den Foren und der Vergleich mit Bolt werden ihn immer begleiten, aber Lyles scheint bereit, diesen Druck zu tragen und weiter Siege zu sammeln.

Abgerundet wurde das Rennen in Tokio durch eine emotionale Siegerehrung. Die US-amerikanische Flagge wurde gehisst, die Nationalhymne gespielt. Lyles stand oben auf dem Podest, blickte in die jubelnde Menge und dachte vermutlich an die Reise, die ihn hierher geführt hatte: von den ersten Schritten auf der Bahn in Florida bis zum Sternenstadion in Tokio. Dort feierte er seinen größten Triumph – und zog mit einer Legende gleich.

Bis zu den nächsten Weltmeisterschaften 2027 in Peking bleibt noch Zeit, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Lyles wird weiter trainieren, weiter laufen und weiter Geschichte schreiben. Der vierte Titel ist mehr als ein Rekord – er ist ein Versprechen für noch mehr Großartigkeit.


Source: Olympics News


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