Die 33-jährige Rosalía ist derzeit mit ihrem aktuellen Album "LUX" und dem Hit "Berghain" auf Tour und hat auch zwei Konzerte in Deutschland gegeben. Sie singt dabei auch erstmals auf Deutsch. Auf TikTok, Instagram und YouTube ist kein Vorbeikommen an begeisterten Posts aus der Berliner Uber oder der Kölner Lanxess Arena. Rave-Arien und Ballett zu Techno – für viele Fans lieferte die Spanierin das "beste Konzert ihres Lebens". Ein Blick auf den aktuellen Hype um Rosalía – und die Reaktionen auf ihr Erfolgs-Album "Lux".
Rosalías künstlerische Entwicklung
Rosalía Vila Tobella, geboren 1992 in Sant Esteve Sesrovires bei Barcelona, begann ihre Karriere mit Flamenco. Ihr Debütalbum "Los Ángeles" (2017) zeigte eine traditionelle Seite, doch mit "El Mal Querer" (2018) revolutionierte sie den Latin-Pop. Das Konzeptalbum über eine toxische Beziehung gewann zwei Grammys und machte sie international bekannt. Mit "Motomami" (2022) wagte sie einen radikalen Bruch: Reggaeton, Elektronik und Experimente prägten den Sound. Jetzt überrascht "Lux" mit einer Hinwendung zur Klassik, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen. Jedes ihrer Alben klingt anders – das ist ihr Markenzeichen.
Die Entstehung von "Lux"
Rosalía betont, wie viel Arbeit in "Lux" steckt: "Ich habe drei Jahre lang an diesem Musikprojekt gearbeitet, das ganz anders war als alles, was ich je vorher gemacht habe – komplett anders!" Es habe ihr etwas Angst gemacht, etwas Neues auszuprobieren. "Ich bin wirklich ins kalte Wasser gesprungen", so die Musikerin im "Popcast" der "New York Times". Dem ersten Podcast-Interview, das sie zum vierten Studioalbum "Lux" gegeben hat. Wie der Song "Berghain" bereits andeutet, ist das ein geradezu sakrales Album geworden. Es geht ums Göttlich-Weibliche, um Glauben und die Grausamkeiten der Liebe. In dem Musikvideo zum Stück „Berghain“ hängt Rosalía am EKG, um ihr gebrochenes Herz behandeln zu lassen. Mehr Drama geht nicht – ein wenig so, wie in der Oper.
Musikalische Analyse: Klassik und Pop verschmelzen
Einfach nur baff zeigt sich das Netz über "Berghain", die Leadsingle zum aktuellen Album. Wuchtige barocke Streicher, geschrubbt vom London Symphony Orchestra, erinnern an Vivaldis Winter aus den "Vier Jahreszeiten". Ein Chor singt dazu, gefolgt vom opernartigen Gesang der zweifachen Grammy-Gewinnerin, die Stimmen von Björk und dem Experimentalkünstler Yves Tumor runden das Stück ab. Rosalía konfrontiert ihre Fans mit einem Stilmix, der es in sich hat: avantgardistischer Pop trifft auf Elemente aus der Klassik. Das sei auch der Witz an Rosalías aktueller Musik, sagt Kornelius Paede im SWR-Interview: "Es ist ein wahnsinnig virtuoses Spiel mit verschiedenen Bezugnahmen, die einerseits aus der Popkultur kommen und vor allem auch damit einen bestimmten ironischen, campy Umgang finden." Auf der anderen Seite gäbe es "ein Spiel mit musikalischen Formen, die an ein großes Pathos, an große Formen und an große Emotionen erinnern." Der Chefdramaturg für Musiktheater am Staatstheater Kassel findet, dass diese Form von Expressivität im Pop selten vorkommt.
Bedeutung von Mehrsprachigkeit
Stark ist, wie Rosalía in dreizehn unterschiedlichen Sprachen singt: Spanisch, Englisch, Deutsch, Ukrainisch, Italienisch. Sie morpht sich kaum merklich von einer in die andere – schafft damit eine universelle Sprache, die jeden irgendwie anspricht, selbst wenn man sie nicht unbedingt versteht. Sie erklärt: "Mir ging es viel darum zu begreifen, wie andere Sprachen funktionieren. Da ging es viel um Intuition, darum, einfach drauflos zu schreiben und zu schauen, wie das dann in einer anderen Sprache klingt." Der Sprachwissenschaftler François Conrad betont im Gespräch, wie eng Musik und Sprache miteinander verknüpft sind.
Rezeption und Kritik
Daria Challah, Creator in Residence in der Hamburger Elbphilharmonie, ist laut Instagram sogar davon überzeugt: "Dieser Sound wird der Klassik neuen Aufwind geben." "Lux" ist ein groß angelegtes Album mit Wow-Effekt. Ein Popwaltzer? Ja, den gibt es hier genauso wie Flamenco mit Orchesterbegleitung. Rosalía macht sich die europäische Klassikwelt ähnlich zu eigen, wie vor Kurzem erst Beyoncé die Country-Musik. Die Konzerte von Popsensation Rosalía sind spektakulär. Was auch an ihrer Dirigentin Yudania Gómez Heredia liegt, die der katalanischen Sängerin fast die Show stiehlt. Manch klassisches Konzerthaus dürfte sich nun wohl auf einen Ansturm freuen: Rosalía goes Opera? Durchaus denkbar! Heute bauen die großen Musikstars/Influencer Brücken zwischen Pop- und Hochkultur. Und darin liegt auch die Stärke von "Lux".
Besonders die fiesen HipHop-Basslines gepaart mit ein wenig orchestralem Brimborium glänzen. Etwas weniger Pathos, dafür mehr Zurückhaltung hätten Rosalías neuem Album gut getan. Das wäre dann aber vermutlich nicht massentauglich genug gewesen. Dennoch: Die Regeln zu brechen, frischen Wind in den Mainstream-Pop zu bringen, sich und ihre Fans unermüdlich herauszufordern, ist seit fast einem Jahrzehnt Rosalías Spezialgebiet. Flamenco, Latin-Pop verbindet sie mit Genres wie RnB oder Reggaeton. Keines ihrer bisherigen Alben gleicht dem anderen. "Lux" setzt nun noch einen oben drauf. Wie sie selbst erklärt: "Alles ist doch in Bewegung, ich verändere mich ständig. Warum sollte sich also mein Sound nicht mit mir verändern? Es macht gar keinen Sinn bei dem (stehen) zu bleiben, was ich vorher gemacht habe."
Hintergrund: Rosalías Einfluss auf die Popkultur
Rosalía ist mehr als eine Sängerin – sie ist eine kulturelle Ikone. Ihre Fähigkeit, Genres zu mischen und dabei stets authentisch zu bleiben, inspiriert eine ganze Generation. Mit "Lux" erreicht sie ein neues Publikum, das klassische Musik schätzt. Die Zusammenarbeit mit dem London Symphony Orchestra und Künstlern wie Björk zeigt ihren Anspruch, Kunst in den Pop zu tragen. Gleichzeitig bleibt sie bescheiden: "Ich bin immer noch die gleiche Person, die Flamenco liebt und in Barcelona aufgewachsen ist." Der Hype um ihre Deutschland-Konzerte beweist, dass ihr Experiment aufgeht. Fans reisen aus ganz Europa an, um die Mischung aus Rave-Ästhetik und Opernpathos live zu erleben. Die Berliner Uber-Halle und die Kölner Lanxess Arena waren restlos ausverkauft.
Rosalías Album "Lux" ist ein Meilenstein in ihrer Karriere und ein Zeichen dafür, dass Popmusik immer wieder neue Wege findet. Ob sie damit tatsächlich die Klassikwelt erobert, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Sie hat die Aufmerksamkeit der Musikbranche und des Publikums gleichermaßen gewonnen. Der Weg vom "Berghain" bis zum Olymp scheint für sie geebnet.
Source: ndr.de News